Von Romanik bis Bauhaus: Die Stile der Architektur

Die Architektur ist so vielfältig wie der Mensch selbst: Bauwerke fungieren als Zeugen ihrer Zeit und zeigen, was die Gesellschaft der jeweiligen Epoche bewegt hat.
Im folgenden Artikel erhalten Sie einen Überblick über bedeutende Architekturstile und deren Charakteristika.

Romanik

Der architektonische Stil der Romanik entwickelte sich zwischen 1.000 -1.250 nach Christus. Die vom alten Rom inspirierten Gebäude verfügen über massive, widerstandsfähige  Mauern sowie minimale halbkreisförmige Öffnungen. Sie sind beeindruckende Relikte aus einer Epoche, in der sich die europäischen Länder im Krieg befanden und Schutz vor Invasionen anstrebten.
Ein berühmtes Beispiel der romanischen Architektur ist der Dom St. Martin in Mainz.  

Gotik

Die Gotik, die ursprünglich „französisches Werk“ genannt wurde, entstand im Spätmittelalter Frankreichs um das 12. Jahrhundert herum. Architektonisch wird diese Zeit von filigranen, vertikalen und majestätischen Bauwerken bestimmt, die vorwiegend im Bereich der Sakralbauten mit Spitzbögen und Rippengewölben angesiedelt waren.
Als wohl bekannteste Repräsentantin des gotischen Baustils gilt die Notre-Dame-Kathedrale in Paris.

Renaissance

Die Renaissance (1520 – 1660 in Deutschland) kann als Überwindung des Mittelalters und als architektonische Wiederbelebung der römischen und griechischen Antike angesehen werden.
Die Architektur der Renaissance wird dominiert von geometrischen Strukturen, harmonischen Proportionen und Symmetrie. Ziel war die Erschaffung eines vollkommenen Gleichgewichts – weshalb auch zahlreiche Bauwerke auf Basis des „Goldenen Schnitts“ entstanden.
Die Kirche St. Michael in München gehört zu diesem spannenden Architekturstil.

Barock

Zu Zeiten von Vivaldi, Händel, Bach und Telemann zwischen 1600 und 1800 wurden die harmonischen Renaissance-Formen durch komplexere Grundrisse sowie die Verwendung von Ornamenten weiterentwickelt. Der architektonische Stil des Barock wendet sich an die gesamte Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Er hatte zum Ziel, repräsentativ zu wirken und ein Gefühl von Bewegung und Sinnlichkeit zu vermitteln. Besonders charakteristisch für die Barock-Architektur ist der Kontrast von Hell und Dunkel, wie im Falle der Karlskirche in Wien.

Rokoko

Als Baustil etablierte sich das Rokoko ausgehend von Frankreich im 18. Jahrhundert. Der größte Unterschied zwischen Rokoko und Barock liegt in der Verspieltheit: Während im Barock architektonisch auf Symmetrie gesetzt wurde, zeichnet sich das Rokoko durch seine Asymmetrie sowie seine besonderen Verzierungen aus. Dabei stand der Stil vor allem als Ideal für die aristokratische und adlige Oberschicht jener Zeit.

Klassizismus

Ab dem 18. Jahrhundert setzte sich auch die klassizistische Architektur mehr und mehr durch. Sie stand in engem Zusammenhang mit der industriellen Revolution in Europa und wurde bestimmt durch klare Linien sowie ausgeglichene Proportionen. Typisch für die klassizistische Architektur sind kubistische Baugefüge mit antiken Giebeldächern, griechische und römische Tempelstirnwände mit Dreiecksgiebeln oder griechisch-dorische Säulen mit Eckpfeilern und ägyptischem Dekor.

Der darauffolgende Baustil des Neoklassizismus ist nicht ganz einfach vom Klassizismus abzugrenzen. Seinen Anfang fand er etwa Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Dieser architektonische Stil gilt als „Machtarchitektur“ mit Rückgriff auf bewährte, historische Stile und greift beispielsweise Elemente aus der Renaissance auf.

Historismus, Jugendstil, Art Deco und Bauhaus

Die „moderne Architektur“ gründet zwischen 1900 und 1930.

Um 1900 wurden viele Bauten im Stil des Historismus errichtet: Unterschiedlichen Gebäuden wurden verschiedene historische Stile zugeteilt – zum Beispiel Stilelemente der Gotik für Kirchen und Parlamente oder Charakteristika von Renaissancebauten für Museen, Opern und Theater.

Als Gegenspieler des Historismus hatte der Jugendstil an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zum Ziel, Kunst und Architektur zu vereinen. Typische Elemente der Jugendstil-Architektur waren geschwungene Linien und Dekorationen, die von organischen Formen wie Zweigen, Ranken und Tieren inspiriert wurden.          

 

Zwischen 1920 und 1940 folgte die sogenannte Art-Deco-Architektur, die wie der Jugendstil ebenfalls verschiedene Sparten der Kunst umfasste. Art Deco war gekennzeichnet durch eine Mischung aus modernem Design, Luxusmaterialien und handwerklichen Elementen.

Der Bauhaus-Stil kann als sinnbildlicher „Aufbruch in die Moderne“ angesehen werden. Inspiriert wurde er von der 1919 durch Walter Gropius gegründeten Schule für Architektur und Design in Weimar (genannt „Bauhaus“). Das Ziel war es, Leben, Kunst und Handwerk mit der materiellen Produktion zu verbinden. Charakteristisch für den Bauhaus-Stil ist eine minimalistische, industrielle Optik – wie das Paradebeispiel des Bauhauses in Dessau zeigt. Noch heute prägt dieser Stil die Entwürfe zahlreicher Architekten.